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Rheder Zehntklässler erfahren über schlimme Zustände in Lager III

 

10 08 Lager III

 

Das Schicksal der Gefangenen im Lager III Rhede-Brual zur Zeit der Nationalsozialisten war Teil des Geschichtsunterrichts. Heimatforscher Albert Vinke und unsere ehemalige Lehrerin Gebina Bors berichteten den Zehntklässlern von den damaligen Geschehnissen in ihrer Heimatgemeinde.

Wie Vinke erzählte, gab es damals 15 Lager im Emsland. Das Lager in Rhede-Brual im Bereich Katzenburg-Brualermoor entstand 1934 und wurde als Strafgefangenenlager genutzt, das mit aus unterschiedlichsten Gründen Verurteilten belegt wurde. Hierzu zählten politische Häftlinge, "aber auch die, die als unwürdig eingestuft wurden, um im Deutschen Reich Soldat zu sein", erläuterte Gebina Bors. Darunter fielen Befehlsverweigerer, Fahnenflüchtige und Kriegsverweigerer. Außerdem zählten Menschen zu den Inhaftierten, die Straftaten, wie beispielsweise Diebstahl, begangen hätten.

Vinke: "Zeitweise waren bis zu 1000 Strafgefangene in Rhede untergebracht." Bis Ende der 1930er Jahre seien die Inhaftierten unter großer körperlicher Anstrengung täglich unter anderem in der Moorkultivierung, im Straßen- und Wegebau oder im Errichten von Vorflutern und Schöpfwerke eingesetzt worden. Rund 500 Personen seien zeitweise im Moor tätig gewesen, ein Aufseher habe vier Häftlinge im Blick gehabt. "Viele Arbeiter waren die harte körperliche Arbeit nicht gewohnt", erzählte Bors. Zudem hätten sie beispielsweise durch das Tragen unbequemer Holzschuhe bei der Arbeit zahlreiche Blasen an den Füßen ertragen müssen. Hinzu sei die schlimme Schikane der Aufseher gekommen. Vinke: "Mancher Häftling versuchte, bei günstiger Wetterlage auszubüchsen." Das Personal habe daher sogar anderen Gefangenen Geld geboten, wenn sie fliehende Mithäftlinge töteten. Schließlich seien 2500 Hektar Moor kultiviert und 516 Kilometer Straßen und Wege gebaut worden.

Mit Beginn des Krieges wurden die Häftlinge in Privatunternehmen und in der Landwirtschaft eingesetzt, um den Mangel an Arbeitskräften auszugleichen. Bors: "Diese Arbeit stand natürlich auch unter strenger Bewachung." Weiter hätten die Bauern nicht mit den Kriegsgefangenen an einem Tisch essen dürfen.

Schlimm seien die Zustände auch direkt im Lager gewesen: So berichteten Vinke und Bors über Misshandlung, unzureichende Kleidung, wenig Essen, fehlendes Recht auf Privatsphäre, viel zu kleine Aufenthaltsräume sowie schlimme hygienische Zustände. "Durch geringe Kost und die harte Arbeit wurden zahlreiche Häftlinge schwer krank", so Bors. Krankmeldungen erfolgten jedoch erst, wenn ein Erkrankter nicht mehr stehen konnte. Selbstverstümmelung der Gefangenen aus Verzweiflung, beispielsweise durch das Verschlucken von Glasscherben, seien häufig vorgekommen. Aufsässige Gefangene seien mit Essenentzug oder dem Schlafen auf dem Fußboden bestraft worden.

Bors, an deren Elternhaus damals die Häftlinge vom Aschendorfer Bahnhof aus, zu Fuß oder in Feldbahnwagen auf dem Weg zum Lager vorbeikamen, zitierte weiter aus den Erinnerungen des damaligen Gefangenen Wilhelm Henze und der aus Brual stammenden Susanne Kock, die zur Arbeit in der Verwaltung des Lagers verpflichtet wurde.

Von letzterer berichtete Bors, dass sie aufgrund der schrecklichen Ereignisse, die sie vor Ort erlebte, oft abends unter Tränen im Elternhaus berichtete, nicht wieder ins Lager zurückkehren zu wollen. Nicht nur einmal wurde ihr von den Verantwortlichen des Lagers gedroht, nicht darüber zu sprechen, was im Lager passiert. Anderenfalls drohe auch ihr eine Strafe.

Im Februar 1945 waren im Lager noch 700 Gefangene inhaftiert. Am 4. April 1945 wurde das Lager geräumt und die Gefangenen in das Emslandlager Aschendorfermoor gebracht.